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Meine Eindrücke der Leipziger Buchmesse

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Am Freitag den 24. März besuchte ich die Buchmesse in Leipzig und werde im folgenden ein paar Erlebnisse und Eindrücke schildern.

Dieses Jahr gab es verschärfte Sicherheitskontrollen. Konkret bedeutete dies, dass es vor den Eingangsbereichen Sicherheitsbereiche gab, in denen das Gepäck der Besucher kontrolliert wurde.
Zwei Stände weckten besonders mein Interesse. Zum einen der Stand der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF), zum anderen der Stand des rechtspopulistischen „Compact – Magazin für Souveränität“, welches monatlich erscheint.

Die JF wirkte jedoch eher unspektakulär. Ein „besorgter Bürger“ erzählte einem Standbetreuer, dass er es schade finde, sich nicht mehr mit Bekannten über Poltik unterhalten zu können, da er dann immer gleich als Nazi beschimpft werde. Das scheint mittlerweile schon eine Standardfloskel in Teilen der Gesellschaft zu sein. Erst beim anschauen meiner Fotos betrachte ich einen Aufsteller zum „Superwahljahr“ genauer. Er zeigt unter anderem die Wochenzeitung JF mit einem Foto der Bundeskanzlerin, welche ein blaues Auge hat und trägt den Titel „Quittung für Merkel“. Darunter wird die Überschrift eines weiteren Artikels angedeutet: „Die Demokratie lebt“. Interessant wie das Layout einen Zusammenhang von Gewalt und Demokratie vermuten lässt.

In der Halle 5 war ein Schild des Standes C201 schon von weitem zu erkennen. Die Aufschrift „Mut zur Wahrheit“ kam mir bekannt vor, sodass der Aufdruck „Compact“ für mich unnötig gewesen wäre, um den Stand zu finden. Dort liegen neben dem aktuellen Magazin noch Sticker aus. Mit der JF im Feindbild vereint trifft es Angela Merkel mit diesen erneut. Sie schaut eher trist daher und trägt ein Kopftuch. „Mutti Multikulti“ steht daneben geschrieben und soll auf Merkels Migrationspolitik hinweisen. Die Verschärfung des Asylrechts der letzten Monate und Jahre wird jedoch gekonnt ignoriert. Das Motiv kommt mir bekannt vor, ich habe es zuletzt auf einem Sticker für eine Demonstration in Berlin gesehen. Anfang März nahmen rund 1000 Menschen an der rechten Versammlung unter dem Motto „Merkel muss weg!“ teil, darunter zahlreiche Neonazis und Pegida-Anhänger. Mobilisiert hatte eine Initiative, die sich „Wir für Deutschland“ nennt. Dabei sei auf den Bericht des Apabiz aus Berlin verwiesen. Aber zurück nach Leipzig. Auf meine Frage, ob Jürgen Elsässer auch auf der Buchmesse sei oder noch erscheinen werde, verneinte ein Compact-Mitarbeiter mit der Begründung, dass es ein zu hohes Sicherheitsrisiko für den Chefredakteur geben würde und er somit nicht erscheinen könne.

Beim fotografieren des Standes fallen mir ein paar schwarz gekleidete Männer auf, von denen ich gemustert werde. Mein Bauchgefühl und meine Erfahrung vom dokumentieren rechter Tätigkeiten sagt mir, dass es sich um keine mir gegenüber wohlgesinnten Menschen handeln wird. Wir kommen nicht in Kontakt, dennoch sind sie immer präsent und begleiten mich distanziert. Ich beobachtete also die Compact-Veranstaltung „Nie wieder Grüne“, auf welcher eine Spezialausgabe des Magazin vorgestellten werden sollte. Auf dem Podium nahmen zwei Compact-Redakteure teil, Martin Müller-Mertens und Marc Dassen, die sich mit Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt vom Internet-Sender „Quer-Denken TV“ unterhielten. Nun wurde mir auch die Rolle der kuriosen Männer klar. Es handelte sich hierbei um einen privaten Sicherheitsdienst bzw. einer Gruppierung die als solche agiert und vermutlich bei potentiellen Konfliktsituationen einschreiten sollten. Die Leipziger Buchmesse teilt auf Anfrage folgendes mit:

„Es ist keineswegs üblich, aber erlaubt, das Aussteller einen Sicherheitsdienst engagieren. Allerdings hat das Sicherheits- oder auch Standpersonal ausschließlich auf dem eigenen Stand Befugnisse. Ein Eingreifen des Sicherheits- oder auch Standpersonals ist jeweils außerhalb der Standgrenzen nicht erlaubt.“

von links nach rechts: Martin Müller-Mertens, Michael Vogt, Marc Dassen

Zu einer Protestaktion gegen die Compact-Veranstaltung kam es aber nicht, voraussichtlich hätten die privaten Securitys dann aber ihre Befugnisse überschritten. Rund 50 Zuschauer folgten der 30-minütige Veranstaltung. Das Publikum wirke tendenziell bürgerlich und unauffällig und ist im Durchschnittsalter schätzungsweise 50 Jahre alt. Mir fielen daher zwei Frauen Ende 20 besonders auf. Die beiden kamen aus Bayern und haben die Compact nicht abonniert, kaufen sie jedoch regelmäßig am Kiosk. Sie finden die deutsche Asylpolitik „furchtbar“ und betrachten „Die Medien“ als gleichgeschalten. Eine von ihnen trug ein Shirt der „Identitären Bewegung“ (IB) mit der lateinischen Aufschrift „PVGNA PRO PATRIA“, was übersetzt so viel heißt wie „kämpft für das Vaterland“. Sie sympathisiere mit der IB, sei aber keineswegs in dieser organisiert. Da sie überlegt Mitglied in der Jugendorganisation der völkisch-nationalistischen AfD, der Jungen Alternative, zu werden, „wäre dass auch gar nicht möglich“. Sie wies auf den Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD mit der Identitären Bewegung hin. Ich musste schmunzeln, ihre Mimik sagte mir allerdings, dass sie es ernst meinte. Jener Beschluss wird in der Praxis jedoch eher weniger beachtet. Wie die Rechercheplattform „Sachsen-Anhalt Rechtsaussen“ aufzeigte gibt es Verbindungen der AfD zu der Identitären Bewegung. Als Wahlkampfhelferin möchte sie die Partei bei kommenden Wahlen unterstützen. Ich habe zwar vermeintliche Argumente für die AfD und Compact hören können, kann aber auch danach überhaupt nicht nachvollziehen, wie es möglich ist mit diesen in geringster Weise zu sympathisieren.

Am Samstag fand eine weitere Compact-Veranstaltung statt. Für das Thema „Ursachen der Flüchtlingskrise – Gibt es eine Lösung?“ wird neben Müller-Mertens auch der „Philosoph und Militärhistoriker“ Peter Feist angekündigt. Deren Podiumsveranstaltung ich nicht besuchen konnte.
Diese soll jedoch störungsfrei verlaufen sein.
Im Umgang mit rechten Verlagen wie Compact oder der Jungen Freiheit erklärt die Leipziger Buchmesse folgendes:

„Die Leipziger Messe GmbH ist als Unternehmen in öffentlicher Trägerschaft unmittelbar an die Grundrechte des Grundgesetzes gebunden. Die Leipziger Messe kann ihre wirtschaftliche Tätigkeit daher nicht nach Belieben mit subjektiv weltanschaulichen Präferenzen oder Zielsetzungen verbinden. Grundsätzlich darf jeder Verlag, der die Teilnahmevoraussetzungen erfüllt, auf der Leipziger Buchmesse ausstellen, seine Neuerscheinungen präsentieren und am Programm teilnehmen. Nur so kann die Leipziger Buchmesse den Raum für offene Diskussionen gewährleisten.“

Was eine offene Diskussion bedeutet, erklärten am Sonntag mehr als 100 Menschen, die den Compact-Stand blockiert haben sollen. Warum „nur“ der Stand und keine der Veranstaltungen blockiert wurde, erklärt sich mir zumindest auf Anhieb nicht. Es bleibt zu hoffen, dass die Leipziger Buchmesse sich in Zukunft kritischer mit ihren Ausstellern auseinander setzen wird. Abschließend zeigte der Protest – auch wenn rechte Magazine und Meinungen zunehmend in Teilen der Bevölkerung akzeptiert und toleriert werden – gibt es weiterhin Menschen, die sich dem entgegen stellen werden.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/albums/72157681772705866

2017-03-18 Leipzig

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Antifademo gegen den NeonaziaufmarschAm 18. März wollten Neonazis um die Partei „Die Rechte“ durch den links-alternativen Stadtteil Connewitz marschieren. Die Behörden verlegten die Route jedoch schon im Vorfeld. Rund 130 Neonazis aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern liefen durch das Zentrum Süd-Ost. Als Redner traten die Landesvorsitzenden der Partei „Die Rechte“ auf, dazu zählten Holger Niemann (Niedersachsen), Uli Carsten Bayer (Sachsen), Enrico Biczysko (Thüringen), Sascha Krolzig (Nordrhein-Westfalen) und Philipp Hasselbach (Bayern). Die Polizei sicherte die Strecke beidseitig mit Hamburger Gittern ab und war insgesamt mit rund 2500 Einsatzkräften in Leipzig. Zur Verfügung standen ihr dabei mindestens 8 Wasserwerfer, diverse Räumpanzer, sowie Hunde- und Pferdestaffeln. Bis zu 1000 Menschen protestierten gegen den Neonaziaufmarsch, darunter eine Demonstration mit rund 600 Teilnehmenden unter dem Motto „Sachsen: Versagen durch Wollen“. Einen ausführlichen Bericht gibt es beim Presseservice Rathenow.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/albums/72157681461453846

2017-01-09 2.Legidageburtstag

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LegidaAnlässlich des 2.Geburtstages der Legida marschierten rund 350 Personen durch das Leipziger Waldstraßenvirtel, welches durch die Polizei komplett abgesperrt war. Bei der Auftaktkundgebung spielte Hannes Ostendorf, der Frontmann der rechten Hooliganband „Kategorie C“.
An den Gegendemonstrationen nahmen über 1500 Menschen teil. Vereinzelt kam es zu Schnellballwürfe auf Legidateilnehmer. Abschließend gab Legida bekannt, künftig keine Versammlungen mehr zu organisieren.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/albums/72157677018138662

Hallo Welt!

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Lukas Beyer ist ein junger Fotojournalist mit Schwerpunkt auf Demonstrations- und Protestfotografie. Er beobachtet rechte und neonazistische Veranstaltungen und Strukturen in und um Sachsen Anhalt. Fotos und Berichte werden auf Flickr, teilweise auch beim Störungsmelder von ZEIT ONLINE und in Zukunft auf diesem Blog veröffentlicht.