AfD

Meine Eindrücke der Leipziger Buchmesse

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Am Freitag den 24. März besuchte ich die Buchmesse in Leipzig und werde im folgenden ein paar Erlebnisse und Eindrücke schildern.

Dieses Jahr gab es verschärfte Sicherheitskontrollen. Konkret bedeutete dies, dass es vor den Eingangsbereichen Sicherheitsbereiche gab, in denen das Gepäck der Besucher kontrolliert wurde.
Zwei Stände weckten besonders mein Interesse. Zum einen der Stand der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF), zum anderen der Stand des rechtspopulistischen „Compact – Magazin für Souveränität“, welches monatlich erscheint.

Die JF wirkte jedoch eher unspektakulär. Ein „besorgter Bürger“ erzählte einem Standbetreuer, dass er es schade finde, sich nicht mehr mit Bekannten über Poltik unterhalten zu können, da er dann immer gleich als Nazi beschimpft werde. Das scheint mittlerweile schon eine Standardfloskel in Teilen der Gesellschaft zu sein. Erst beim anschauen meiner Fotos betrachte ich einen Aufsteller zum „Superwahljahr“ genauer. Er zeigt unter anderem die Wochenzeitung JF mit einem Foto der Bundeskanzlerin, welche ein blaues Auge hat und trägt den Titel „Quittung für Merkel“. Darunter wird die Überschrift eines weiteren Artikels angedeutet: „Die Demokratie lebt“. Interessant wie das Layout einen Zusammenhang von Gewalt und Demokratie vermuten lässt.

In der Halle 5 war ein Schild des Standes C201 schon von weitem zu erkennen. Die Aufschrift „Mut zur Wahrheit“ kam mir bekannt vor, sodass der Aufdruck „Compact“ für mich unnötig gewesen wäre, um den Stand zu finden. Dort liegen neben dem aktuellen Magazin noch Sticker aus. Mit der JF im Feindbild vereint trifft es Angela Merkel mit diesen erneut. Sie schaut eher trist daher und trägt ein Kopftuch. „Mutti Multikulti“ steht daneben geschrieben und soll auf Merkels Migrationspolitik hinweisen. Die Verschärfung des Asylrechts der letzten Monate und Jahre wird jedoch gekonnt ignoriert. Das Motiv kommt mir bekannt vor, ich habe es zuletzt auf einem Sticker für eine Demonstration in Berlin gesehen. Anfang März nahmen rund 1000 Menschen an der rechten Versammlung unter dem Motto „Merkel muss weg!“ teil, darunter zahlreiche Neonazis und Pegida-Anhänger. Mobilisiert hatte eine Initiative, die sich „Wir für Deutschland“ nennt. Dabei sei auf den Bericht des Apabiz aus Berlin verwiesen. Aber zurück nach Leipzig. Auf meine Frage, ob Jürgen Elsässer auch auf der Buchmesse sei oder noch erscheinen werde, verneinte ein Compact-Mitarbeiter mit der Begründung, dass es ein zu hohes Sicherheitsrisiko für den Chefredakteur geben würde und er somit nicht erscheinen könne.

Beim fotografieren des Standes fallen mir ein paar schwarz gekleidete Männer auf, von denen ich gemustert werde. Mein Bauchgefühl und meine Erfahrung vom dokumentieren rechter Tätigkeiten sagt mir, dass es sich um keine mir gegenüber wohlgesinnten Menschen handeln wird. Wir kommen nicht in Kontakt, dennoch sind sie immer präsent und begleiten mich distanziert. Ich beobachtete also die Compact-Veranstaltung „Nie wieder Grüne“, auf welcher eine Spezialausgabe des Magazin vorgestellten werden sollte. Auf dem Podium nahmen zwei Compact-Redakteure teil, Martin Müller-Mertens und Marc Dassen, die sich mit Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt vom Internet-Sender „Quer-Denken TV“ unterhielten. Nun wurde mir auch die Rolle der kuriosen Männer klar. Es handelte sich hierbei um einen privaten Sicherheitsdienst bzw. einer Gruppierung die als solche agiert und vermutlich bei potentiellen Konfliktsituationen einschreiten sollten. Die Leipziger Buchmesse teilt auf Anfrage folgendes mit:

„Es ist keineswegs üblich, aber erlaubt, das Aussteller einen Sicherheitsdienst engagieren. Allerdings hat das Sicherheits- oder auch Standpersonal ausschließlich auf dem eigenen Stand Befugnisse. Ein Eingreifen des Sicherheits- oder auch Standpersonals ist jeweils außerhalb der Standgrenzen nicht erlaubt.“

von links nach rechts: Martin Müller-Mertens, Michael Vogt, Marc Dassen

Zu einer Protestaktion gegen die Compact-Veranstaltung kam es aber nicht, voraussichtlich hätten die privaten Securitys dann aber ihre Befugnisse überschritten. Rund 50 Zuschauer folgten der 30-minütige Veranstaltung. Das Publikum wirke tendenziell bürgerlich und unauffällig und ist im Durchschnittsalter schätzungsweise 50 Jahre alt. Mir fielen daher zwei Frauen Ende 20 besonders auf. Die beiden kamen aus Bayern und haben die Compact nicht abonniert, kaufen sie jedoch regelmäßig am Kiosk. Sie finden die deutsche Asylpolitik „furchtbar“ und betrachten „Die Medien“ als gleichgeschalten. Eine von ihnen trug ein Shirt der „Identitären Bewegung“ (IB) mit der lateinischen Aufschrift „PVGNA PRO PATRIA“, was übersetzt so viel heißt wie „kämpft für das Vaterland“. Sie sympathisiere mit der IB, sei aber keineswegs in dieser organisiert. Da sie überlegt Mitglied in der Jugendorganisation der völkisch-nationalistischen AfD, der Jungen Alternative, zu werden, „wäre dass auch gar nicht möglich“. Sie wies auf den Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD mit der Identitären Bewegung hin. Ich musste schmunzeln, ihre Mimik sagte mir allerdings, dass sie es ernst meinte. Jener Beschluss wird in der Praxis jedoch eher weniger beachtet. Wie die Rechercheplattform „Sachsen-Anhalt Rechtsaussen“ aufzeigte gibt es Verbindungen der AfD zu der Identitären Bewegung. Als Wahlkampfhelferin möchte sie die Partei bei kommenden Wahlen unterstützen. Ich habe zwar vermeintliche Argumente für die AfD und Compact hören können, kann aber auch danach überhaupt nicht nachvollziehen, wie es möglich ist mit diesen in geringster Weise zu sympathisieren.

Am Samstag fand eine weitere Compact-Veranstaltung statt. Für das Thema „Ursachen der Flüchtlingskrise – Gibt es eine Lösung?“ wird neben Müller-Mertens auch der „Philosoph und Militärhistoriker“ Peter Feist angekündigt. Deren Podiumsveranstaltung ich nicht besuchen konnte.
Diese soll jedoch störungsfrei verlaufen sein.
Im Umgang mit rechten Verlagen wie Compact oder der Jungen Freiheit erklärt die Leipziger Buchmesse folgendes:

„Die Leipziger Messe GmbH ist als Unternehmen in öffentlicher Trägerschaft unmittelbar an die Grundrechte des Grundgesetzes gebunden. Die Leipziger Messe kann ihre wirtschaftliche Tätigkeit daher nicht nach Belieben mit subjektiv weltanschaulichen Präferenzen oder Zielsetzungen verbinden. Grundsätzlich darf jeder Verlag, der die Teilnahmevoraussetzungen erfüllt, auf der Leipziger Buchmesse ausstellen, seine Neuerscheinungen präsentieren und am Programm teilnehmen. Nur so kann die Leipziger Buchmesse den Raum für offene Diskussionen gewährleisten.“

Was eine offene Diskussion bedeutet, erklärten am Sonntag mehr als 100 Menschen, die den Compact-Stand blockiert haben sollen. Warum „nur“ der Stand und keine der Veranstaltungen blockiert wurde, erklärt sich mir zumindest auf Anhieb nicht. Es bleibt zu hoffen, dass die Leipziger Buchmesse sich in Zukunft kritischer mit ihren Ausstellern auseinander setzen wird. Abschließend zeigte der Protest – auch wenn rechte Magazine und Meinungen zunehmend in Teilen der Bevölkerung akzeptiert und toleriert werden – gibt es weiterhin Menschen, die sich dem entgegen stellen werden.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/albums/72157681772705866

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2017-02-17 Schnellroda

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linke Demonstration gegen das IfSVom 17. bis 19. Februar findet die „17. Winterakademie“ des „Institut für Staatspolitik“ (IfS) um Götz Kubitschek in Schnellroda statt. Linke Gruppierungen nahmen dies zum Anlass um gegen die „Winterakademie“ und das Ifs zu demonstrieren. Es gab drei Kundgebungen an den Ortsausgangsstraßen Schnellrodas, welche unter anderem auch von einem der Köpfe der „Identitären Bewegung Österreich“, Martin Sellner und Kubitschek besichtigt wurden. Vor der Gaststätte „Zum Schäfchen“ versammelten sich Anhänger der „Identitären Bewegung“, unter denen sich auch regionale Neonazis befanden. Des weiteren waren Hans-Thomas Tillschneider und Jan Wenzel Schmidt vor Ort, die beide für die AfD im Landtag von Sachsen Anhalt sitzen. Laut Augenzeugen wurde vor der Gaststätte „Zum Schäfchen“ von einem IfS-Sympathisant der Hitlergruß gezeigt. Die linke Demonstration lief mit rund 120 Teilnehmenden einmal durch Schnellroda, bewegte sich dabei am „Rittergut“ vorbei und hielt eine Zwischenkundgebung direkt vor jener Gaststätte ab, in der die „Winterakademie“ ausgerichtet wird.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/albums/72157678859844770

Magdeburg: Veranstaltung der AfD Hochschulgruppe verhindert

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Quelle: privat
Quelle: privat

Unter dem Titel „Gender an der Uni?!“ hatte die „Campus Alternative Magdeburg“ versucht für den 12.Januar ihre erste Veranstaltung mit André Poggenburg (Landesvorsitzender AfD LSA, MdL) und Prof. Dr. Gerald Wolf (emeritierte Neurowissenschaflter) an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg zu organisieren. Bei der „Campus Alternative Magdeburg“ handelt es sich um eine im April gegründete Hochschulgruppe der „Junge Alternative“, einer Jugendorganisation der AfD. Es blieb bei einem Versuch, da rund 250 Studierende und linke Jugendliche die Veranstaltung verhinderten.

Die 23-jährige Medizinstudentin Isabell beteiligte sich an den Protesten und berichtet von ihren Eindrücken über die gestrigen Ereignisse.

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2015-02-19 MAGIDA: Zwischen AfD, Hooligans und Neonazis

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Zuerst veröffentlicht im Störungsmelder

Bis zu 800 Menschen konnte MAGIDA mobilisieren © Lukas Beyer
Bis zu 800 Menschen konnte MAGIDA mobilisieren © Lukas Beyer

Seit Mitte Januar gibt es auch in Magdeburg einen Ableger von Pegida. Wie auch bei anderen Ablegern sammeln sich hier „besorgte Bürger“, Hooligans, Neonazis un die AfD. Eine Chronologie der Ereignisse.

Am vergangenen Montag demonstrierte der Magdeburger Ableger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) bereits zum fünften Mal in der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt. Das Spektrum der Teilnehmenden reichte vom NPD-Landesvorsitzenden am Mikrofon über die organisatorische Unterstützung eines AfD-Politikers bis hin zu Wutbürgern und rechten Hooligans.

Proteste gegen MAGIDA © Lukas Beyer
Proteste gegen MAGIDA © Lukas Beyer

19. Januar 2015: Erster „Spaziergang“ blockiert

Am 19. Januar waren rund 600 Personen dem Aufruf zu MAGIDAs erstem „Spaziergang“ gefolgt, ihre Route wurde jedoch durch 6000 Gegendemonstranten versperrt. Die Polizei war nicht in der Lage den Weg zu räumen und trennte beide Seiten nur durch wenige Einsatzkräfte. Aus dem Spaziergang wurde eine Kundgebung. Bereits hier beteiligten sich der Ascherslebener NPD-Stadtrat Hartmut Schirmer und sein NPD-Gefährte Gustav Haenschke von der NPD Magdeburg. Ebenfalls anwesend war der Neonazi Sascha Braumann, welcher wenige Tage zuvor den neonazistischen Gedenkmarsch anlässlich des 70. Jahrestages der Bombardierung der Stadt angemeldet hatte.

26. Januar 2015: Großaufgebot der Polizei ermöglicht Aufzug

Eine Woche später ermöglichte ein Großaufgebot der Polizei aus Sachsen, Sachsen Anhalt und Bayern einen MAGIDA-Aufmarsch durch Magdeburg. Die rund 700 Polizisten sicherten bereits am Nachmittag die Route mit Polizei-Gittern. Diesmal beteiligten sich 2000 Menschen am Gegenprotest, darunter auch die Jubeldemo der „Regina“ („Ravende Europäer gegen islamfeindliche Nationalisten“). Mit Diskomusik zogen die Studierenden durch die Magdeburger Innenstadt, um ihrem Protest gegen MAGIDA lautstark Ausdruck zu verleihen.

MAGIDA-Transparent © Lukas Beyer
MAGIDA-Transparent © Lukas Beyer

Vor den 800 MAGIDA-Anhängern sprach unter anderem der AfD-Stadtratskandidat Michael Ahlborn auf einem als Bühne hergerichteten LKW. Während des Wahlkampfes war sein Slogan: „Einwanderung braucht klare Regeln“. Dieses Motto fand sich auch auf AfD-Plakaten während des Spaziergangs wieder. Ahlborn unterstützt hingegen nicht nur Rechtspopulisten, sondern auch Neonazis. Laut Informationen der Volksstimme soll Ahlborn ein Kleinflugzeug gesponsert haben, welches am 19. Januar 2014 mit dem Banner „16.000 Tote unvergessen“ über Magdeburg flog, während gleichzeitig über 900 Neonazis durch die Stadt marschierten, um der Bombardierung Magdeburgs zu „gedenken“. Im Vorfeld des diesjährigen Naziaufmarsches wurden in Magdeburg ca. 800 Plakate illegal von Neonazis aufgehängt. Den Untergrund bildeten dabei alte AfD-Wahlplakate, welche auf „mysteriöse“ Weise verschwunden waren. Das Firmengelände „Bauservice Ahlborn“ dient als Sitz des AfD Landesverbandes Sachsen-Anhalt. In einer Pressemitteilung der Partei heißt es, die Plakate hätten „auf einem Firmengelände in Magdeburg“ gelagert, wo die AfD „keine Schlüsselgewalt“ habe. Wie die Plakate in den Besitz der Neonazis geraten sind, sei der AfD nicht bekannt, heißt es weiter. Des Weiteren soll Ahlborn die Veranstaltung der MAGIDA logistisch unterstützt haben.

2. Februar 2015: MAGIDA und das offene Mikrofon

NPD-Landeschef Walde © Lukas Beyer
NPD-Landeschef Walde © Lukas Beyer

Bereits der dritte MAGIDA-Aufzug zeichnete sich durch rückläufige Teilnehmerzahlen aus, so waren es etwa 100 Menschen weniger als in der Vorwoche. Einen LKW gab es ebenfalls nicht, doch „interessierte“ Bürger konnten am offenen Mikrofon sprechen. Unter ihnen war auch Peter Walde, der derzeitige Landesvorsitzende der NPD in Sachsen-Anhalt. Für seine Rede erhielt er Applaus und Zustimmung. Die Organisatoren gaben sich im Nachhinein unwissend und kommentierten, sie können nicht jeden fragen, ob er „rechtsextrem“ sei. Weiter hieß es, man könne ja nicht verhindern, dass Neonazis an ihren „Spaziergängen“ teilnehmen.

MAGIDA-Teilnehmer bedroht Journalisten © Lukas Beyer
MAGIDA-Teilnehmer bedroht Journalisten © Lukas Beyer

Die Meinungsfreiheit und die „Lügenpresse“

Immer wieder geben sich die Anhänger der MAGIDA als friedliche Bürger, welche lediglich ihre Meinung kundtun wollen, denn das werde man als „Deutscher“ ja wohl noch tun dürfen. Dass ihre Parolen dabei (anti-muslimischen) Rassismus schüren, interessiert sie wenig. Die Meinung all jener, welche nicht mit den eigenen Inhalten übereinstimmen, wird als Staatspropaganda betrachtet. Auch Journalisten geraten immer wieder ins Visier der vermeintlich „demokratischen Bürgerbewegung“. Unter dem Schlachtruf „Lügenpresse“ kam es immer wieder zu Bedrohungen und versuchten Angriffen auf Pressevertreter.

9. Februar 2015: Solidaritätsdemo kontra NPD-Spitzenkandidatin von 2013

Für den 9. Februar hatte das Bündnis „Magdeburg Nazifrei“ zu einer Solidaritätsdemo mit der „islamischen Gemeinde Magdeburg“ aufgerufen. Daran beteiligten sich etwa 150 junge Menschen. Zu der MAGIDA-Veranstaltung erschienen nur 400 Teilnehmer. Als Hauptrednerin war Sigrid Schüßler zu Gast. Sie trat 2013 als Spitzenkandidatin der NPD zur bayerischen Landtagswahl an und war einst Vorsitzende des „Ring nationaler Frauen“, dem Frauenverband der NPD. Mittlerweile ist sie aus der Partei ausgetreten, weil die Partei sich des Klischees der „hässlichen Deutschen“ bediene. Dass auch Schüßler als unbekannte Bürgerin die Bühne betreten hat ist dabei unwahrscheinlich. Nachdem schon der NPD-Landesvorsitzende Walde als Redner aufgetreten war, zeigt Schüßlers Auftritt einmal mehr die Nähe von MAGIDA zur extrem rechten Szene.

Sigrid Schüßler bei MAGIDA, Bild: Screenshot
Sigrid Schüßler bei MAGIDA, Bild: Screenshot

16. Februar 2015: Von Hogesa zu MAGIDA

Gegenproteste mit klarer Message © Lukas Beyer
Gegenproteste mit klarer Message © Lukas Beyer

Am 16. Februar beteiligten sich laut Polizei 780 Personen am MAGIDA-Aufmarsch. Das Bündnis „Block MD“ hingegen zählte nur 350 bis 400 Teilnehmende. Als Hauptrednerin war Tatjana Festerling angekündigt. Die ehemalige AfD-Politikerin aus Hamburg nahm auch schon an der rechten Versammlung „Hooligans gegen Salafisten“ im Oktober 2014 in Köln teil, die sie danach in ihrem Blog als „friedlich“ bezeichnete. Ihrer Meinung nach waren die gerufenen Parolen wie „Ausländer raus“ oder „Hier marschiert der Nationale Widerstand“ „in keinster Weise rassistisch, rechtsextrem oder Gewalt auffordernd“. An der besagten Demonstration in Köln nahmen 4.800 Personen, größtenteils gewaltbereite rechte Hooligans, aus ganz Deutschland teil. Während der Veranstaltung kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Hooligans und der Polizei. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Rund 50 Polizeibeamte wurden während der Ausschreitungen verletzt.

Auf dem Alten Markt war diesmal das Motto „Kugeda“ („Kunst gegen Dummheit und verbale Gewalt“). Auf der Bühne wurden Gedichte verlesen und Musik gespielt. Insgesamt beteiligten sich rund 700 Menschen am Gegenprotest.

2015-02-02 Magdeburg: Magida(3)

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Magida demonstriertNachdem am 19. Januar der erste Aufmarschversuch des Magdeburger „PEGIDA“-Ableger „Magdeburg gegen die Islamisierung des Abendlandes“ mit rund 600 teilnehmenden scheiterte, gingen am 26. Januar etwa 800 rassistische BürgerInnen, Nazis und rechte Hooligans auf die Straße. Eine Woche später nehmen dagegen „nur“ 600 Menschen am 3.MAGIDA-Spaziergang teil.

MAGIDA – unorganisiert in der Krise?
Nachdem beim Dresdner Vorbild einige Vorstandmitglieder zurückgetreten sind, darunter die ehemalige Pressesprecherin Kathrin Oertel, ist offen wie sich die neurechte Bewegung bundesweit entwickeln wird. So hat sich PEGIDA vom Leipziger Ableger LEGIDA distanziert und die Zahl der Teilnehmen ist bundesweit rücklaufig.So nahmen in Magdeburg 600 Menschen am MAGIDA-Sparziergang teil, 200 weniges als letzte Woche. Desweiteren gab es letzte Woche für MAGIDA einen LKW als Bühne, welcher der Auftaktkundgebung diente. Dagegen schienen die heutigen Lautsprecher ziemlich minimalistisch. Auch während des Sparzierganges gab es Anweisungen nur über ein Megaphon. Eine Organisierung und feste Planung der MAGIDA-Demonstrationen ist für außenstehende weitestgehend nicht erkennbar.

„Wir sind keine Nazis“
Hingegen der Behauptung der Organisatoren, sie seinen nur ganz normale Bürger die ihre Meinung zum Ausdruck bringen wollen, wird MAGIDA kontinuierlich von Neonazis genutzt und besucht. So nahmen erneut Gustav Haenschke (NPD Magdeburg) und Hartmut Schirmer (NPD Aschersleben) teil. Dem Landesvorsitzenden der NPD Sachsen Anhalts, Peter Walde, gelang es sogar seine rassitischen und menschenverachtenden Ideologie am offenem Mikrofon zu propagandieren. Außerdem nahmen weitere unorganisierte Neonazis und rechte Fussballhooligans teil. Eine Distanzierang der OrganisatorInnen fehlt komplett. Allerdings ist es MAGIDA selbst, welche einen antimuslimischen Rassismus gegen Geflüchtete schüren und sich auf ein nationalistisches Konstrukt reduzieren.

Meinungsfreiheit ohne Presse
Am Abend versuchten immerwieder vermummte Teilnehmer der MAGIDA JournalistInnen anzugreifen und zu bedrohen. Nach dem Motto „das wird man ja noch sagen dürfen“ wird ein menschenverachtendes Weltbild propagiert, indem eine (kritische) Berichterstattung jedoch keinen Platz hat. Immerhin bemüht sich MAGIDA um eine positive Außenwirkung. Die agressive Grundstimmung der letzten Wochen ist nicht verschwunden, allerdings wird probiert diese mundtot zu machen. So sollte der heutige Spaziergang zu einem Schweigemarsch werden. Das dabei rufe wie „früher Stasi, heute rote SA“ oder „dreckiges Lumpenpack“ gegnüber GegendemonstrantInnen erschallten wird verschwiegen.

Blockade umgangen
Es gelang mehreren GegendemonstrantInnen auf die Route der MAGIDA zu kommen. Kurzerhand probierten 50 junge Menschen mit mehreren Sitzblockaden den MAGIDA-Aufmarsch zu verhindern. Die Polizei war mit 700 Einsatzkräften vor Ort und lies sich davon wenig beeindrucken. Die Blockade wurde abgeschirmt und MAGIDA konnte entlang der anderen Straßenseite weiter marschieren. Am Rande der Route kam es immerwieder zu Rangeleien zwischen der Polizei und den GegendemonstrantInnen.
In naher Zukunft wird es interessant, ob es gelingt an erste Erfolge der Gegenproteste anzuknüpfen und MAGIDA erneut zu blockieren.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/sets/72157650609645281

2015-01-26 Magdeburg: Magida(2)

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MagidaNachdem letzte Woche Montag der erste Aufmarschversuch des Magdeburger „PEGIDA“-Ableger „Magdeburg gegen die Islamisierung des Abendlandes“ mit ihrem ersten Aufmarschversuch scheiterte, gingen am 26. Januar etwa 800 rassistische BürgerInnen, Nazis und rechte Hooligans auf die Straße. An den verschiedenen Gegenkundgebungen beteiligten sich ca. 2000 Menschen. Die Route der MAGIDA begann mit einer Auftaktkundgebung an der Hauptwache. Auf einem LKW gab es die ersten Reden gegen die sogenannte „Lügenpresse“, Geflüchtete und für ein patriotisches und rassistisches Menschenbild. Der Demonstrationszug ging über die Jakobstraße, hin zur Listemannstraße und über den Breiten Weg zurück zum Startpunkt. Die Polizei sicherte die Route mit Hamburger Gittern und war laut eigenen Angaben mit Rund 700 PolizistInnen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern im Einsatz, um Auseinandersetzungen zwischen MAGIDAs und AntifaschistInnen zu verhindern. An dem „MAGIDA-Spaziergang“ beteiligten sich etliche bekannte Nazis, beispielsweise Peter Walde (Landesvorsitzender NPD-Sachsen-Anhalt). Während der Demonstration vielen Parolen wie „MAGIDA“, „Wir sind das Volk“ oder „Hooligans gegen Salafisten“. Es bleibt auch spannend wie sich das Verhältnis der AFD (Magdeburg) zu MAGIDA entwickelt. Diese Woche war erneut ein Plakat der AFD zu sehen und laut Angaben von blockmd war der AFD-Stadtratskandidat Michael Ahlborn als Redner bei Magida. Außerdem soll Ahlborns Firma „Bauservice-Ahlborn“ laut einem Tweet auf Twitter die MAGIDA-Demonstration unterstützt haben. Ob und wie sich der Pegida-Ableger in Magdeburg weiter etablieren kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/sets/72157650434440146